Was ist ein Mikrobiom?

Das Mikrobiom ist genau genommen die Gesamheit der bakteriellen Gene, welche den menschlichen Körper besiedeln. Im Volksmund steht der Begriff Mikrobiom jedoch nicht nur für die Gene der  Mikroben, sondern vor allem für die Lebensgemeinschaft der Mikroorganismen. Der Mensch besteht aus 10 Mal mehr Mikroben als Zellen. Das neuentdeckte Organ wiegt ganze 2 kg und bestimmt sehr wesentlich den Zustand unserer Verdauung, Stoffwechsels, Hormonhaushaltes, Organentwicklung und unseres Immunsystems, welches zu 80%  im Darm entsteht. Das ist noch nicht alles - die Verfassung des Mikrobiom entscheidet über eine ganze Reihe von Volkskrankheiten und die neuen Erkenntnisse wachsen diesbezüglich jeden Tag. Bezeichnungen wie Darmgehirn weisen darauf hin, dass eine sehr enge Beziehung unseres Darms zu unserem Hirn besteht. Dazu gehören Krankheiten, wie ADHS, Autismus, Tourette, Depression und Alzheimer. Ja sogar unsere Wahrnehmung und unser Verhalten werden zu einem beachtlichen Teil durch unsere Darmbakterien gesteuert.

Wie entsteht ein Mikrobiom?

Epigenetik

Der Mensch besitzt lediglich 20'000 Gene in seinen Chromosomen, welche sich nicht mal wesentlich von den Genen einer Maus unterscheiden. Hingegen sind Bakterien in unserem Körper Einzeller, welche ihre ganz eigenen Gene besitzen. Das bedeutet, wir besitzen hundertmal mehr Gene aus unseren Billionen von Bakterien als aus unseren körpereigenen Zellen.

 

Es  ist jedoch erst die Aktivierung unserer Gene, welche für die Ausprägung im Leben verantwortlich ist. Dies hängt in erster Linie von der Umgebung und dem Milieu ab, welche bestimmen, ob das Bakterium eine gewisse Eigenschaft auslebt. So können Bakterien beim einen Menschen  krankmachende Gifte erzeugen, bei einem anderen nicht. Hier ist nicht der Besitz eines Bakteriums entscheidend, sondern, ob dieses Bakterium seine Eigenschaft in ihm auslebt.

Human Microbiome Project

In den USA wurde von 2008-2012 das Human Microbiome Project durchgeführt, in dem man von 300 Personen zahlreiche Mikrobenproben von diversen Körperstellen genommen hatte. Die Erkenntnis daraus war, dass sich unsere Gesundheit aus der Gesamtheit der Gene unserer Zellen sowie der Bakterien zusammensetzt. Die Bakterien unserer Aussenwelt befinden sich im ständigen Austausch mit unserem Mikrobiom. Ein Antibiotikum beeinflusst unser Mikrobiom ebenso, wie Stress, oder die Art unserer Ernährung.

Bis vor kurzem war man der Überzeugung, dass ein Baby in einem sterilen Mutterleib heranwächst. Nun haben Forscher aus Madrid festgestellt, dass das heranwachsende Baby bereits über das Blut und Fruchtwasser seiner Mutter die ersten Bakterien erhält. Mit der vaginalen Geburt findet eine weitere wichtige Übergabe der mütterlichen (und teilweise auch väterlichen) Bakterien an das Neugeborene statt. Beim Hinausgleiten wird es vollständig von der Schleimschicht der Scheide überzogen. Durch das Ausdrücken des Enddarms durch den  Baby Kopf, wird das Neugeborene auch mit den mütterlichen Darmbakterien imprägniert. Der Zustand des Mikrobioms der schwangeren Mutter ist entscheidend für das Befinden des Babys im Mutterleib und seine weitere Gesundheit. Kaum ist das Kind auf der Welt, wird es einer Vielzahl von Bakterien ausgesetzt. Seien dies die Einzeller der Hebamme, Spitals, Hauses, Luft, Wasser oder der Wäsche. Sie alle haben ebenfalls ihre eigene DNA. Durch das Stillen, werden dem Kind viele gesundheitsfördernde Bakterien mitgegeben, welche das kindliche Mikrobiom und sein Immunsystem aufbauen.

Wenn ein Kind jedoch nicht auf natürlichem Weg zur Welt kommt, fehlt ihm die vaginale Erstimprägnierung der Mutter. Anstelle erhält es Umgebungsbakteiren, mitsamt resistenter Krankenhaus Keime. Dem Neugeborenen fehlt eine wichtige Bakterien Grundlage zur Ausbildung seines Immunsystems. Wenn sich ein Kaiserschnitt nicht umgehen lässt, gibt es die Mögichkeit, ein mit Scheidenbakerien der Mutter durchtränktes Gasetuch über das Gesicht des Neugeborenen zu reiben.

Gibt man Kaiserschnitt und denjenigen Kindern, bei denen Störungen des Immunsystems zu erwarten sind, frühzeitig nach der Geburt probiotische Bakterien, kann man nachweislich die Entwicklung vieler allergischer Erkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis verhindern.